Ruhe: Du solltest mal öfter … nichts tun.

(Was soll das ausgerechnet JETZT?!?)

Wir sitzen alle seit November zu Hause und Sarina schreibt einen Artikel über Nichtstun und Ruhe? Dabei wünschen wir uns doch gerade jetzt, dass das Leben wieder laut und voll wird! Was soll das, Sarina?

Auch ich will unbedingt wieder Freude treffen, ins Theater, in eine volle Bar und auf ein Konzert. Nicht mehr so oft wie früher, aber ich kann es trotzdem kaum erwarten, all das wieder zu dürfen. Und ich habe auch keine Lust, über Corona zu schreiben. Ich glaube, dazu ist langsam alles gesagt.  

Für diesen Lockdown gibt es eine schlimme Ursache und für Viele war und ist er alles andere als angenehm. Auch für mich nicht. Oft habe ich mich in den letzten Monaten einsam gefühlt. 

ABER: Einsamkeit, Langeweile, Frust, Stille und Ruhe gehören nicht zwangsläufig zusammen, auch wenn es uns momentan vielleicht so vorkommt. Ruhe ist etwas ganz Eigenes, das viele von uns verloren haben. Manche konnten sie wieder finden, in dieser Pandemie. Andere haben sich zwischen Aufgaben, Rollen und Sorgen zerrieben. Und Sorgen sind nicht Ruhe. Online und digital sind nicht Ruhe. Ängste sind nicht Ruhe. 

Ruhe kann ein Moment sein. Ein innerer Zustand. Oder einfach Zeit, die wir uns bewusst genommen haben. Die Kraft der Ruhe ist vielleicht eines der wenigen positiven Dinge, die wir in unser Leben nach der Pandemie mitnehmen können. 

Mein Burnout war zuerst die völlige Abwesenheit von Ruhe und danach eine erzwungene lange Phase der Ruhe. 

Heute habe ich eine gute Beziehung zur Ruhe. 


Dein Geist kann mehr, als nur eine To-Do-Liste durchzugehen

Ruhe gibt uns die Chance, intuitiv zu spüren, was wir gerade wirklich brauchen. Ruhe schafft Distanz zum beschleunigten Alltag und hilft oft schon dabei, nicht jede Kleinigkeit so ernst zu nehmen. Wir können den Geist wandern lassen und schauen, wo er landet. 

Das ist oft total überraschend und schön. Aus der Ruhe entstehen gute Gedanken und Impulse. In der Ruhe liegt nicht nur die Kraft, sondern auch die Kreativität.

Ich kenne es von mir selbst nur zu gut: Ohne Ruhe wuselt mein Geist meine To-Do-Liste hoch und runter. Ich bekomme Panik, etwas zu vergessen oder nicht rechtzeitig oder nicht gut genug hinzubekommen und drifte ab in den Versuch, der Unruhe mit Kontrolle zu begegnen. Klappt eigentlich nie. Und Herr P. (so habe ich meine perfektionistischen Gedanken genannt) hat dann leichtes Spiel und übernimmt das Steuer. So sieht Unruhe in mir aus und ich bin mir ziemlich sicher, dass Unruhe nicht nur in mir so aussieht ;). 

Mal ehrlich: Ein unruhiger Geist ist erstens auf Dauer nicht gut für Dich und zweitens auch einfach eines: Langweilig. 

Es ist so schade, denn wir sind doch zu so viel mehr fähig, als einfach nur unruhig gedanklich in der To-Do-Liste herumzuspringen. 

Nicht umsonst kommen die besten Ideen in Momenten, die scheinbar gar nichts damit zu tun haben. Beim Duschen oder Spazieren auf jeden Fall aber nicht aus einer Anspannung heraus, sondern aus einem ruhigen, wandernden Geist.  

Stress kann kurzzeitig sogar tatsächlich zu mehr Leistung verhelfen, weil der Körper in eine Art Alarmmodus schaltet. Gedacht ist diese Körperfunktion aber für Notfälle und nicht für den Alltag. Langfristig ist die Sache ganz einfach: Mit so viel Alarmbereitschaft kommt der Körper nicht klar, es ist nicht zu schaffen und die Erschöpfung tritt immer schneller ein. Kenne ich alles und Du vermutlich auch. 


Ein Vorschlag für mehr Ruhe in Deinem Leben 

Wo kannst Du anfangen, mehr Ruhe in dein Leben zu lassen? Vielleicht ja dort, wo Du normalerweise am allerwenigsten Ruhe hast: Beim Arbeiten.

Für mich war es total mühsam zu lernen, mir beim Arbeiten Pausen zu nehmen. Die größte Wirkung haben für mich aber Pausen, die ich noch nicht brauche. Seit ich das entdeckt habe, arbeite ich viel entspannter und trotzdem konzentrierter.


So arbeite ich heute:

Genau 25 Minuten hochkonzentriert. Ohne Ablenkung. Keine Mails, kein Handy, keine anderen Seiten aufrufen. 

Danach mache ich mindestens fünf Minuten Pause, meistens länger. In dieser Zeit fasse ich meinen PC nicht an. Ich mache mir manchmal einen Tee oder hänge schnell die Wäsche auf (ich arbeite selbstständig im Homeoffice, da habe ich natürlich ein paar Vorteile) meistens schaue ich aber einfach nur aus dem Fenster und lasse meine Gedanken schweifen. 

Danach beginnt der nächste 25-Minuten Block. Nach drei 25-Minuten-Blöcken mache ich eine längere Pause. Inspiriert hat mich die „Pomodoro-Methode“, allerdings mache ich die erste größere Pause sogar schon eher als vorgeschlagen ;). 

Für mich funktioniert diese Arbeitsweise wunderbar. Ich bin konzentrierter als früher und – was mich anfangs überrascht hat – deutlich produktiver. Das ist schön. Trotzdem steht für mich dabei kein Optimierungsgedanke im Vordergrund, sondern meine mentale Gesundheit. Der klare Wechsel zwischen Phasen der Konzentration und Pausen tut mir sehr gut und hilft mir, gar nicht erst in den hektischen, getriebenen Workaholic-Modus zu rutschen, für den ich immer noch anfällig bin.

Ich kann diese Methode von ganzem Herzen empfehlen. 


Kleine Anstiftung für mehr Pausen in deinem Arbeitstag

Vielleicht sind dir 25-Minuten-Blöcke zu kurz oder dein Arbeitsumfeld passt nicht so recht dazu. Mir ist bewusst, dass ich in der Selbstständigkeit nach Lust und Laune mit meinem Arbeitsverhalten experimentieren kann und dass das in den meisten Jobs nicht im gleichen Maße geht.  

Trotzdem möchte ich Dich zu etwas anstiften: Und zwar, dass Du es Dir erlaubst und Dich auch traust, Pausen beim Arbeiten zu machen. Hoffe nicht, dass die Pausen sich ergeben, sondern nimm sie Dir! Auch wenn die Kollegen das vielleicht nicht machen. Auch wenn vielleicht ein Spruch kommt oder das schlechte Gewissen oder drei neue Mails. Geh in die Teeküche und lass Deine Gedanken schweifen, während der Tee zieht.  

Lass dich nicht aus der Ruhe bringen in diesen Momenten. 

Angst davor, was die anderen denken könnten, selbst wenn niemand etwas sagt? Vielleicht hilft Dir diese – suggestive – Frage an Dich selbst: Möchtest Du Dich wirklich von jemandem abwerten lassen, der findet, Dir würden keine fünf Minuten Pause für Deine mentale Gesundheit zustehen? 

Und wie wahrscheinlich ist es überhaupt, dass Du deswegen so viel zu hören bekommst? 

Diese fünf Minuten Ruhe im Kopf wirken Wunder. Ich bereue rückblickend, dass ich mich im Büro vom stressigen Tagesgeschäft, Projekten und Adhoc-Aktionen so sehr habe treiben lassen, dass ich nicht erkannt habe, wie wichtig Distanz, wie gut eine Pause gewesen wäre. Und dass ich mich wohl auch nicht getraut hätte, gegen die Widerstände anzugehen, die so eine regelmäßige kleine Pause mit sich gebracht hätte.  

Vielleicht kannst Du es ja direkt besser machen =). Jetzt im Homeoffice und auch zukünftig im Büro.


Selbstbestimmung

Diese von Dir selbst gesetzten Pausen haben neben der Erholung noch einen weiteren tollen Effekt, erst recht, wenn du dabei kleine Widerstände überwinden musst: Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit. Ob sich gerade zufällig eine Pause ergibt, oder ob Du sie Dir nimmst und guten Gewissens gönnst, macht einen größeren Unterschied für Dein Wohlbefinden, als Du vielleicht glaubst. 

Die zufällige Pause liegt nicht in Deinem Einflussbereich. Du wirst von Umständen bestimmt und musst Glück haben, um diese Auszeit zu bekommen. Genauso ist es möglich, dass sich nichts ergibt. Wenn Du Dir hingegen aktiv eine Pause nimmst, hörst Du auf Deine Bedürfnisse und stehst für Dich ein. Du tust Dir etwas Gutes und baust Vertrauen in Dich auf. Jede selbstbestimmte Pause bedeutet auch: Du zeigst Dir, dass Du gut für Dich sorgen kannst.

Und natürlich geht es nicht nur um Pausen und Momente der Ruhe bei der Arbeit. Und vor allem auch nicht immer nur um fünf Minuten. Auch längere Ruhephasen am Morgen oder Abend und bewusstes Nichtstun sind total wichtig. Dann kommt der Geist erst so richtig ins Wandern. Aber ich finde, die Arbeit eignet sich super, um das regelmäßige Innehalten einzuüben. 

Viel Spaß beim Pause machen!

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