Kreativität bringt Dich ins Hier und Jetzt.

Kreativzeiten und impulsive Kreativität.

(Und nein, es ist überhaupt nicht nötig dafür ein „Künstlertyp“ oder auch nur „talentiert“ zu sein. Darum geht’s nicht)

Eigentlich. Ein Wort, das, wenn wir es benutzen, oft anzeigt, dass wir etwas machen, das nicht unserem inneren Wunsch entspricht. Ist mir heute auch fast wieder passiert. Eigentlich wollte ich heute einen Artikel über meine neue Arbeitsstruktur schreiben, die ich mir nach dem Burnout angeeignet habe. Diesen Artikel will ich schon lange schreiben. Warum? Weil mir diese Struktur so guttut, ich total begeistert davon bin und hoffe, dass Du daraus auch viel für Dich mitnehmen kannst. 

Eigentlich. Denn in diesem Text wird es um etwas anderes gehen. Und darauf bin ich stolz. Eigentlich bedeutet doch so oft: Eigentlich möchte ich etwas anderes (machen), aber ich erlaube es mir nicht

Ich nehme mir das heute raus. Ich folge einem Impuls, statt etwas durchzuziehen, das ich mir so vorgenommen hatte. Deswegen geht es in diesem Artikel um Kreativität und darum, wie sie Dich ins Hier und Jetzt bringen kann.


Eine freiwillig gewählte Aufgabe, die sich nicht mehr so anfühlt

Es ist Freitag und ich sitze im Zug auf dem Weg zu einer Freundin. In den letzten Tagen habe ich viel gearbeitet und mich vor allem mit zu viel Kompliziertem gleichzeitig beschäftigt. Das hat mir einen vollen Kopf, wilde Gedankenkreise und Anspannung eingebracht. Kein Vergleich zu früheren Zeiten, aber zum Glück bin ich inzwischen sensibler für solche Signale und reagiere schneller darauf. 

Heute möchte ich mir gönnen. Ausschlafen, gemütlich einen Artikel im Zug schreiben und dann ab ins Wochenende. Nur irgendwie will sich das alles nicht nach Entspannung anfühlen, sondern nach Arbeit, nach noch einer Aufgabe auf der To-Do-Liste – dabei soll dieser Blog doch genau das nicht sein. Ich hänge in Grübeleien fest: über Dinge, die diese Woche passiert sind und über andere, die nächste Woche anstehen. Ich kann mich nicht richtig konzentrieren, es fühlt sich mühsam an.

Also ändere ich spontan meinen Plan und wähle für den Artikel das erste Thema, das mir in den Sinn kommt. Kreativität statt Arbeitsstruktur. Innerhalb von Minuten entspanne ich mich. Jetzt spüre ich dieses Kribbeln, das mir zeigt, dass genau das für mich das Thema des heutigen Tages ist. Ich komme in den Flow. Was mir eben noch Energie genommen hat, gibt mir jetzt welche. Das Grübeln hört auf und fängt auch nach der Zugfahrt nicht wieder an. 


Kreativzeiten: Pause für Deinen Kopf, Energieschub für Deinen Körper

Manchmal ist Nichtstun, Schlafen, Ausruhen nicht der beste Weg, um Grübeleien und einem vollen Kopf etwas entgegenzusetzen. Eine prima Alternative: Kreativ sein. Ohne Plan und ohne Vorgaben aus dem Bauch heraus etwas zu erschaffen, kann eine wunderbare Möglichkeit sein, um mit Dir selbst Verbindung aufzunehmen und in genau dem Moment zu sein, der jetzt ist. 

Gerade wenn Du, so wie ich, ein eher planender, kognitiver Mensch bist, möchte ich Dir ans Herz legen, Dich für Deine Kreativität zu öffnen. Du wirst überrascht sein, was für schöpferische Impulse in Dir schlummern. 

Vom kreativen Schreiben kannte ich es schon, dieses Gefühl von Gegenwart. Wenn ich mich darauf einließ, war es weniger so, dass ich den Text schrieb, sondern eher so, dass der Text sich durch mich schrieb. Klingt esoterisch, habe ich aber so schon oft erlebt. Während meines Burnouts und in den ersten Monaten danach konnte ich nur selten schreiben. Vor einem PC zu sitzen und ein Worddokument zu öffnen erinnerte mich einfach zu sehr an die Arbeit. Das konnte ich damals nicht gebrauchen.   

So entdeckte ich, dass es andere Wege gab, meine Kreativität frei zu lassen. Zum ersten Mal seit meiner Schulzeit saß ich wieder mit einer Schere vor einem Stapel mit Zeitschriften und bastelte eine Collage. Ich dachte nicht, ich schnitt und klebte und genoss den Prozess. Ein anderes Mal bemalte ich gemeinsam mit meinem Mann und Freunden Espresso-Tassen. Wir hatten uns alle darauf gefreut, waren aber glaube ich trotzdem alle überrascht, wie gut uns diese Aktivität tat. Wir redeten nicht einmal viel, sondern pinselten einfach zufrieden vor uns hin.


So viel zu meiner Erfahrung. Hier kommen meine Tipps, wie Du Deine Kreativität nutzen kannst, um im Hier und Jetzt zu sein.


Sei kreativ, nicht handwerklich

Wähle lieber eine kreative Ausdrucksform, bei der Du Dich spontan entfalten kannst, statt ein „handwerkliches“ Projekt. Mit „handwerklich“ meine ich alles, was Planung erfordert und auch gewisse Fähigkeiten. Auch handwerkliche Tätigkeiten sind natürlich toll, aber wenn Du planen musst, bist Du in Deinem Kopf statt bei Deiner Intuition. Und aus dem Kopf möchtest Du ja raus. 


Schaffe Dir Raum, um Dich kreativ zu entfalten

Blocke Dir bewusst eine Zeitspanne, in der Du kreativ sein möchtest. Am besten nicht schnell schnell zwischen zwei wichtigen Terminen. Und am besten auch nicht dann, wenn Du so erschöpft bist, dass Du nur noch schlafen möchtest. Wenn Du Dich so fühlst, geh lieber ins Bett und verschiebe Deine Kreativzeit. Es soll ja Freude machen und kein zusätzlicher Punkt auf deiner To-Do-Liste sein. 

Wenn Du allerdings feststellst, dass Du nie Zeit dafür hast, weil Deine To-Do-Liste immer zu voll ist, lohnt sich vielleicht ein schmerzhaft ehrlicher Blick auf Deine Liste. MUSST Du das wirklich alles machen? Wer sagt das überhaupt? Wofür machst Du es am Ende? Ich habe festgestellt, dass meine Antwort auf diese Frage, wenn ich von ganz weit aus der Ferne darauf schaue, fast immer lautet „Damit es mir gut geht“. Vielleicht geht es Dir also auch gut, wenn Du dies und das sein lässt und stattdessen eine kleine kreative Auszeit nimmst.  

Früher habe ich geglaubt, dass ich für so etwas keine Zeit habe. Das stimmte aber nicht. Ich habe aus verschiedenen Gründen entschieden, meine Zeit anders zu verbringen. Viele dieser Gründe hatten etwas mit verinnerlichten äußeren Anforderungen zu tun. 

Du hast das Recht, selbst zu entscheiden, wie Du Deine Zeit verbringst. Das vergisst man manchmal. 


Fang an!

Es macht gar nichts, wenn Du noch keine konkrete Idee hast. Die Idee entwickelt sich im Prozess. Meine Kreativprojekte nehmen meistens eine ganz andere Richtung, als ich dachte. Genau das ist das Magische daran. Ich liebe es, wie eigenwillig meine Kreativität sein kann. Deine kann das ganz bestimmt auch. Fang einfach an, mach Dir keine Gedanken und schau, wo Du rauskommst =). 


Keine Bewertungen oder Qualitätsansprüche

Lass den inneren Kritiker stecken! Bewertungen oder Qualitätsansprüche blockieren Dich nur. Das wäre schade. So eine Strenge hat in Deiner Kreativzeit nichts verloren. Schließlich machst Du es nur für Dich, nicht für ein Publikum. 

Wenn Du später Lust hast, Deine fertige Arbeit zu teilen, spricht ja nichts dagegen. Es ist aber auch sehr schön, wenn Du es Dir wert bist, etwas nur für Dich ganz allein zu machen. Meine letzte Collage wirst Du hier nicht zu sehen bekommen. Und auch ganz sicher nicht meine Zeichnung von einer nektarsammelnden Biene. Die ist übrigens nie fertig geworden. Spaß gemacht hat es trotzdem. 


Das könntest Du in Deiner ersten Kreativzeit machen

Vielleicht hast Du ja selbst schon Ideen. Wenn nicht, lass Dich von diesen Vorschlägen inspirieren. 

Wenn Du der Typ dafür bist, probiere es doch mal mit einer ganz freien Form wie zum Beispiel diesen hier:

  • Automatisches Schreiben: Nimm Dir Stift und Zettel und schreib einfach ohne Schranke drauf los. Lenke nicht, greife nicht ein, schreibe einfach immer weiter. Experimentiere doch mal mit verschiedenen Zeitlimits, z.B. 5, 10, 15 oder sogar 30 Minuten. Oder Du setzt dir gar kein Limit und bist fertig, wenn Du fertig bist. 
  • Freies Malen: Gleiches Prinzip wie beim Automatischen Schreiben. Statte Dich mit Papier oder einer Leinwand (je nachdem, für was für Farben Du Dich entscheidest) aus und leg los, ohne zu denken. 
  • Freies Sprechen: Mach die Sprachaufnahme an deinem Handy an und fang an zu sprechen =). Du kannst auch versuchen, eine Geschichte aus dem Stehgreif zu erfinden. Deiner Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.  

Die ganz freien Formen sind etwas einschüchternd oder es will nicht so richtig in den Fluss kommen? Dann teste doch mal Formen, bei denen die Kreativität durch einen limitierenden Faktor entsteht. Ich liebe solche Formen und bin immer wieder begeistert, was dabei rauskommt:

  • Collagen: Besorge Dir ein paar Zeitschriften (möglichst aus unterschiedlichen Themenbereichen), schnapp Dir Schere, Kleber und ein weißes Blatt Papier und lege entweder ein Thema fest oder lass es im Prozess entstehen. 
  • Geschichte mit fixem ersten Satz: Ziehe einen beliebigen Roman aus Deinem Bücherregal schreibe den ersten Satz ab und lass von da aus Deine eigene Geschichte entstehen. Funktioniert natürlich auch mit ersten Sätzen aus dem Internet.
  • Haiku: Hier hast Du eine ganz feste literarische Form, die Dich quasi zwingt, kreativ zu werden. So geht’s.
  • Skulptur aus Materialien, die Du zu Hause hast: Selbsterklärend. Du wirst Deine Wohnung mit ganz anderen Augen sehen =). 

Das waren natürlich nur ein paar Vorschläge für Deine Kreativzeit. Wie immer gilt: Ich berichte hier von meinen Erfahrungen. Nimm mit, was Dich anspricht und den Rest lässt Du bleiben. 


Deine kognitiven Anteile sind natürlich wichtig

Kleine Erinnerung zum Schluss: Es ging in diesem Artikel darum, wie kleine Ausflüge in Deine intuitive Kreativität Dich ins Hier und Jetzt bringen können. Raus, aus dem manchmal anstrengenden Kopf, in dem manchmal zu viele blöde Gedanken ihre Runden drehen. 

Natürlich ist der planerisch-kognitive Anteil in uns trotzdem essentiell, um unser Leben auf die Reihe zu kriegen =). 

Beim Arbeiten kommen die meisten von uns nicht ohne Qualitätsansprüche und zumindest ein wenig Planung und Struktur aus. Ich mag es aber auch beim Arbeiten, zwischen ungefilterter Kreativität und planerisch-strukturellem Eingreifen hin- und her zu wechseln. So ist auch dieser Artikel entstanden. 

Irgendwann werde ich auch den eigentlich für heute geplanten Artikel schreiben. Dann, wenn ich finde, dass er dran ist. 

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